Aufgaben werden in Zukunft noch mehr werden

Mitgliederversammlung des Fördervereins Palliativversorgung für die medius KLINIKEN e.V.: Vorstand bestätigt.

© U. Rapp-Hirrlinger

Vorstand: Torsten Schwarz, Sandra Achilles, Gert-Michael Burgmann, Tanja Franz, Dr. Franz Bihr, Rita Reck (v.l.)

Der Förderverein Palliativversorgung für die medius KLINIKEN e.V. unterstützt Palliativprojekte und Aufgaben der beiden Palliativstationen in den Kliniken Ostfildern-Ruit und Nürtingen wie auch der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV), die nicht von den Krankenkassen finanziert werden. So umriss Dr. Franz Bihr, Vorsitzender des Fördervereins, bei der diesjährigen Mitgliederversammlung dessen Aufgaben. Diese werden wegen des demografischen Wandels noch zunehmen, ist sich der Mediziner, der die SAPV leitet, sicher.

Gefördert wurden im letzten Jahr unter anderem die Musik- und Kunsttherapien auf den Palliativstationen, Fortbildungen und Supervisionen von Mitarbeitenden, Laptops, die den Teams der SAPV einen raschen Datenaustausch ermöglichen, aber auch Gedenkfeiern für Verstorbene. „Vor allem die fachliche Qualifikation ist uns sehr wichtig“, betonte Bihr. Den erreichten guten Standard der Fachkräfte zu halten und ihn an neue Mitarbeitende weiterzugeben, hält er für eine wichtige Zukunftsaufgabe.

Finanziert werden die Projekte hauptsächlich über Spenden. Knapp 44 000 Euro habe der Förderverein 2017 erhalten, berichtete Kassier Torsten Schwarz. Die Zuwendungen kommen überwiegend von Angehörigen, die die gute ambulante oder stationäre Betreuung schätzen. Knapp 33 000 Euro wurden in die verschiedenen Projekte investiert. Monika Dostal, Kämmerin des Landkreises, fungierte als Kassenprüferin und bescheinigte dem Förderverein eine einwandfreie Kassenführung.

Torsten Schwarz, Beisitzer Gert-Michael Burgmann und Schriftführerin Rita Reck wurden als Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt. Auch Dostal bleibt Kassenprüferin. Die Amtsperioden der anderen Vorstandsmitglieder – Vorsitzender Franz. Bihr, seine Stellvertreterin Sandra Achilles und Veranstaltungsmanagerin Tanja Franz sind noch nicht abgelaufen. So kann der Vorstand in bewährter Zusammensetzung weiterarbeiten.

Eine weitere große Aufgabe der Zukunft sieht Bihr in der palliativen Betreuung von Menschen mit Demenz. „Hier haben wir eine Unterversorgung“, erklärte er. „Wir müssen diese Menschen aber genauso gut betreuen wie diejenigen ohne kognitive Einschränkungen.“

© U. Rapp-Hirrlinger

Chefarzt Dr. Andrej Zeyfang

Dr. Andrej Zeyfang, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Altersmedizin und Palliativmedizin an der medius Klinik in Ruit, skizzierte im Anschluss an die Mitgliederversammlung in seinem Vortrag „Demenz und Palliativversorgung“, welche besonderen Anforderungen das Zusammenwirken dieser beiden Faktoren an die Behandlung aber auch die Gestaltung der Kliniken hat.

Palliativstationen versorgen Patienten mit einer weit fortgeschrittenen, nicht heilbaren Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung von etwa einem halben Jahr. Für sie gehe es darum, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome und Schmerzen zu lindern und so ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Zeyfang betonte jedoch, „dass Palliativstationen nicht nur Sterbestationen sind“. Nicht selten könnten die Patienten soweit stabilisiert werden, dass sie in ein Hospiz, ein Pflegeheim oder nach Hause entlassen und dort von der SAPV betreut werden könnten. Über 90 Prozent dieser Patienten mussten laut Zeyfang dank der SAPV-Versorgung nicht wieder in die Klinik eingewiesen werden.

Die Mehrzahl der Patienten auf Palliativstationen leiden an nicht mehr therapierbaren Krebserkrankungen. Doch auch im Endzustand von chronischen Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, bei Nervenerkrankungen mit fortschreitenden Lähmungen oder Schluckstörungen oder im Endstadium einer Demenz können Menschen auf einer Palliativstation gut aufgehoben sein.


Der Chefarzt beschrieb die Anzeichen von Demenz wie das Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses, Orientierungsschwierigkeiten, Störungen der Sprache oder Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen bis hin zum Unvermögen, bekannte Gegenstände oder Personen wiederzuerkennen. Zehn bis zwölf Jahre dauere es üblicherweise von der Diagnose bis zum Tod. Allerdings sterben die meisten Erkrankten nicht an der Demenz, sondern an einer Begleiterkrankung. „Die Haupttodesursache sind Lungenentzündungen“, erläuterte Zeyfang. Diese entstehen oft, wenn Demenzerkrankte nicht mehr richtig schlucken können und Nahrung über die Luftröhre in die Lunge gelangt.

Mit dem demografischen Wandel werde auch die Zahl der Demenzerkrankten weiter steigen, ist der Arzt sicher. Von den Krankenhäusern erfordere dies nicht nur mehr Personal für Behandlung und Pflege, sondern auch entsprechende Maßnahmen, damit sich Patienten wohl fühlen oder etwa um das Weglaufen zu verhindern. Das können einfache Dinge sein wie eine veränderte Beleuchtung und eine Einrichtung, die Orientierung bietet. Zeyfang wünscht sich auch mehr Menschen, die sich ehrenamtlich auf den Palliativstationen oder der Geriatrie einbringen. „Das können ganz einfache Dinge sein wie vorlesen oder gemeinsam spielen. Aber es tut den Patienten gut.“